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Podcast 23| Real Self-Care vs. ständige Selbstoptimierung

Real Self-Care vs. ständige Selbstoptimierung


In der heutigen Folge geht es um den feinen Unterschied zwischen echter Self-Care und dem ständigen Selbstoptimierungsdruck, dem so viele unterliegen. Hier muss genauer hingeschaut und hingehört werden, denn der Unterschied lässt sich nicht daran festmachen, was man macht, sondern daran, wie man sich bei dem, was man macht, fühlt. Egal, was man macht. Wir beleuchten die „Fallen“ der „Self-Care Industrie“, die uns oftmals suggeriert, dass wir nur zum Yoga gehen oder mehr Sport machen oder mehr Gesichtsmasken auflegen sollten, um uns besser zu fühlen. Während all diese Self-Care-Tools hilfreich und wertvoll sein können, geht es aber um die Haltung dahinter.

Tools, Tipps und Tricks zur Selbstoptimierung?


 Wir leben in einer Welt, in der wir praktisch immer Zugang zu unzähligen Tipps und Tools haben, die uns bei sämtlichen Problemen und in zahlreichen Situationen Verbesserung, wenn nicht sogar Lösungen, versprechen. Die Ratschläge reichen dabei von Lösungen bei kleinen Problemen, bis hin zu allem rund um unseren Körper und unser Aussehen, der „richtigen“ Lebensführung oder sogar mentalen und gesundheitlichen Schwierigkeiten.

Dieser Zugang zu Wissen und Techniken aller Art ist einzigartig in der Geschichte der Menschheit, denn bis vor Kurzem gab es größere Verbreitungshürden. 

 

Während der Zugang zu Wissen und damit zu Selbsthilfetools und -techniken wunderbar und hilfreich ist, kann dadurch in weiterer Folge leider auch ein gewisser Druck entstehen. 

Es wird suggeriert, dass wir nur das passende Tool finden und diszipliniert anwenden müssen, damit wir erreichen, was wir begehren – was immer das ist. Der Umkehrschluss ist also oftmals: „Es liegt an dir.“ „Du musst es nur genug wollen und dann kannst du alles sein, was du willst.“

 

Solche und ähnliche Botschaften überschwemmen mehr oder weniger unterschwellig ständig unser Bewusstsein und kehren den positiven Nutzen des freien Zugangs zu all den Hilfestellungen ins Negative um. Anstatt uns selbstermächtigt und stark zu fühlen, kommen wir uns nur allzu oft minderwertig und unzulänglich vor. Wir suchen den Fehler bei uns und glauben den Botschaften, die uns einreden, wir müssten nur „zum Yoga gehen“, „meditieren“, „laufen gehen“, „die richtige Ernährung finden“ etc., um uns endlich gut zu fühlen. Doch stattdessen könnten wir auch den Selbstoptimierungsdruck selbst hinterfragen, der die Vielfalt des Lebens und all der Lebenssituationen, in die wir geraten können, extrem minimiert und ein zu simples Bild von der Komplexität des Lebens zeichnet.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstoptimierung und Self-Care


Die beiden Begriffe und alles, was dazugehört, sind oft nicht so eindeutig voneinander zu unterscheiden. Und tatsächlich können beide Dinge von außen betrachtet oft gar nicht unterschieden werden. Es kommt viel mehr auf die innere Haltung an. Während sich die Tools also oft gleichen, macht die Herangehensweise und vor allem auch der innere Dialog, den man dabei führt, einen großen Unterschied.

 

Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass wir Sport machen. Aber machen wir Sport, weil wir denken, sonst zu faul, zu dick, nicht genug etc. zu sein? Dann ist unsere Haltung uns selbst gegenüber eine negative und wir handeln aus einem gewissen Mangel heraus. Wir glauben, uns verbessern zu müssen und nutzen dafür ein Tool – in dem Beispiel „Sport“. Hier herrscht also ein Druck zur Selbstoptimierung vor.

 

Oder machen wir Sport, weil wir spüren, dass wir es brauchen, dass es uns guttut, dass es uns beim Abschalten und Auftanken hilft und dass wir Spaß daran haben? Dann ist unsere Haltung uns selbst gegenüber eine liebevolle und wohlwollende. In dem Beispiel würde es sich beim Sport also um echte Self-Care handeln.

Die Tools selbst – egal, ob Yoga, Bewegung, Badewanne, Skin Care, Pilates, gesunde Ernährung u.v.m – sind also nicht das Problem. Es kommt auf unsere Motivation und unsere Einstellung uns selbst gegenüber an. Egal, was wir machen. Echte Self-Care hingegen hat also sehr viel mit einer sanften, liebevollen und vor allem verständnisvollen Haltung sich selbst gegenüber zu tun. Die Tools selbst sind dabei frei wählbar oder ganz wegzulassen. Je nachdem, was man wirklich braucht.


Quelle: Real Self-Care” von Dr. Pooja Lakshmin

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