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Gaslighting, Ernährung

15. April 2026

Podcast 123 | Gaslighting am Esstisch – Wenn deine Realität abgesprochen wird

Gaslighting am Esstisch – Wenn deine Realität abgesprochen wird

Heute sprechen wir über ein Phänomen, das bestimmt alle kennen, dass jedoch selten so klar benannt wird. Es geht um Gaslighting im Zusammenhang mit Essen und Körper. Der Begriff „Gaslighting“ ist momentan sehr in Mode und meint eine bestimmte Form der Manipulation, bei der dir jemand anderes deine eigene Wahrnehmung abspricht. Auch wenn ursprünglich eine beinahe bösartige Manipulationsabsicht damit verbunden wird, passiert das „Gaslighting am Esstisch“ meist nicht böswillig. Vielmehr ist es leider Teil und zugleich Anzeichen für die seltsam verzerrte Ess- und Körperkultur, in der wir leben. Doch gerade weil man diese Situationen von jeder Seite kennt, lohnt es sich genauer hinzuschauen und ausführlicher darüber zu reden. Hör rein und lerne dir selbst wieder zu vertrauen – unabhängig davon, ob dir andere was anderes einreden wollen!








„Ach komm, stell dich nicht so an“

Ein anderes klassisches Beispiel: Du sagst, dass du keinen Hunger mehr hast – oder dass dir ein bestimmtes Essen nicht guttut. Die Reaktion?„Ach komm, iss doch noch was.“„Das bildest du dir ein.“„Früher hast du das doch auch gegessen.“

Hier wird nicht nur deine körperliche Wahrnehmung übergangen, sondern aktiv entwertet. Dein Gefühl zählt plötzlich weniger als die Meinung anderer.


Warum passiert das so oft?

Die meisten Menschen meinen es nicht böse. Im Gegenteil: Viele Kommentare entstehen aus Gewohnheit, Unsicherheit oder aus dem, was wir über Jahre gelernt haben. In unserer Kultur wird Essen ständig bewertet – in „gut“ und „schlecht“, „zu viel“ und „zu wenig“, „diszipliniert“ oder „unvernünftig“.

Diese Bewertungen werden weitergegeben, oft unbewusst. Und genau dadurch entsteht dieses subtile Gaslighting: Aussagen, die deine Realität verschieben, ohne dass es jemand ausdrücklich so beabsichtigt.


Die Folge: Du vertraust dir selbst weniger

Wenn solche Situationen immer wieder passieren, kann das Spuren hinterlassen. Du beginnst vielleicht:

  • deinen Hunger zu hinterfragen

  • dein Sättigungsgefühl zu ignorieren

  • dich für deine Entscheidungen zu rechtfertigen

  • dich mehr auf äußere Stimmen zu verlassen als auf dich selbst

Und genau das ist der Kern des Problems: Die Verbindung zu dir selbst wird leiser.


Deine Realität ist gültig

Es klingt simpel, ist aber unglaublich wichtig:Dein Hunger ist real.Deine Sättigung ist real.Dein Empfinden ist real.

Niemand außer dir steckt in deinem Körper. Niemand kann fühlen, was du fühlst. Und auch wenn andere überzeugt auftreten – ihre Perspektive ersetzt nicht deine.


Wie du damit umgehen kannst

Du musst nicht jedes Gespräch konfrontativ führen. Aber du darfst dich innerlich positionieren.

Ein paar mögliche Gedanken, die dir helfen können:

  • Ich darf meinem Körper vertrauen. 

  • Ich muss meine Entscheidungen nicht erklären. 

  • Andere Meinungen sind genau das – Meinungen. 

Und wenn du möchtest, kannst du auch Grenzen setzen:

  • „Für mich passt das gerade so.“

  • „Ich höre da lieber auf meinen Körper.“

  • „Ich möchte das gerade nicht diskutieren.“


Ein neuer Umgang beginnt bei dir

Gaslighting am Esstisch verschwindet nicht von heute auf morgen. Aber je mehr du erkennst, was da passiert, desto weniger Macht hat es über dich.

Vielleicht kennst du beide Seiten – die der Person, die kommentiert, und die der Person, die sich verunsichern lässt. Genau darin liegt die Chance: bewusster zu werden, innezuhalten und neue Wege zu gehen.

Hör auf dich. Vertrau dir.Auch – und gerade – wenn andere etwas anderes behaupten.

Mehr zu dem Thema findest du auch in der Podcastfolge 72 „Wenn der Ton stimmt – die Kunst, die passende Begleitung zu finden“ vom 23.04.2025!

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„Das ist doch gar nicht so viel…“

Du sitzt am Tisch, isst vielleicht gerade eine Portion, die sich für dich stimmig anfühlt – und plötzlich kommt ein Kommentar von außen:
„Das ist doch gar nichts!“
Oder das Gegenteil:
„Wow, das ist aber viel.“
In beiden Fällen passiert etwas Entscheidendes: Deine eigene Wahrnehmung wird in Frage gestellt. Vielleicht hattest du Hunger. Vielleicht bist du schon satt. Vielleicht fühlst du dich gerade wohl mit dem, was du isst. Doch durch den Kommentar entsteht ein leiser Zweifel: Stimmt etwas nicht mit mir?




















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