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07. Februar 2024
Podcast 09 | Stress und das autonome Nervensystem
Stress und das autonome Nervensystem
Wir gehen der Frage nach, wie Stress mit dem autonomen Nervensystem zusammenhängt und schauen uns etwas genauer an, wie unser Nervensystem überhaupt aufgebaut ist. Wusstest du zum Beispiel, dass die unterschiedlichen Teile unseres Nervensystems unterschiedlich alt sind und dass es evolutionsbiologisch Sinn macht, dass wir bei tatsächlicher oder auch „nur“ wahrgenommener Gefahr quasi in verschiedene Modi umschalten, um uns zu schützen? Wir gehen näher darauf ein, welch großen Stellenwert unser Sicherheitsgefühl spielt und wie man trotz Dauerstress wieder zur Entspannung „umschalten“ kann?
Unser autonomes Nervensystem
Das autonome bzw. vegetative Nervensystem beeinflusst die Funktion unserer inneren Organe und ist u.a. eng mit dem Herzschlag, der Atmung und unserem Hormonsystem verbunden. Es ist aufgeteilt in Sympathikus und Parasympathikus, der sich nochmal in den dorsalen und ventralen Vagus-Ast aufteilt.
Sympathikus
Der Sympathikus hat sich vor ca. 400 Millionen Jahren gebildet und ist überlebenswichtig und im Allgemeinen für Stresssituationen zuständig. Alles, was mit Aktivität zu tun hat, mit Leistungssteigerung und Anregung, wird von ihm geregelt. Konkret bedeutet das, dass die Muskeln in den Extremitäten im sympathischen Zustand vermehrt durchblutet werden, während Blut aus dem Verdauungstrakt entzogen wird. Zugleich wird in der Leber Glukose freigesetzt, Kortisol wird vermehrt ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Pupillen erweitern sich etc. Der Körper ist also hochgradig in Anspannung versetzt und bereit davonzulaufen. Das war und ist eine wichtige Funktion, die uns am Leben hält, wenn direkt und unmittelbar Gefahr droht. Das oft zitierte Beispiel des Tigers, der uns angreift und vor dem wir uns möglichst schnell retten müssen, um zu überleben, macht auch hier klar, wie essenziell die Stressfunktionen in unserem Körper eigentlich sind.
Das Problem entsteht nur mit unserem modernen Lebensstil, bei dem Stress einerseits zum chronischen Phänomen wurde, weil auch Situationen, in denen real keine akute Lebensgefahr besteht, von unserem Gehirn oft als solche wahrgenommen werden. Andererseits reagieren wir auf akuten Stress nicht mehr so, wie es körperlich in uns angelegt ist bzw. haben wir oft nicht die Möglichkeit dazu. Die gedachte Reaktion wäre eben davonzulaufen und die aufgebaute Spannung so durch Bewegung abzubauen. Wenn es aber immer wieder zu Stresssituationen kommt, ob tatsächlich oder „nur“ innerlich wahrgenommen, ohne dass wir die Spannung unmittelbar abbauen können, entsteht chronischer Stress mit all seinen negativen Folgen.
Parasympathikus
Der Parasympathikus ist der Gegenspieler des Sympathikus und als solcher ganz allgemein für Entspannung, Ruhe und Regeneration zuständig. Sämtliche Selbstheilungsprozesse finden im parasympathischen Zustand statt, weshalb es u.a. so wichtig ist, in die Entspannung zu kommen. Aber es ist etwas komplexer, denn der Parasympathikus teilt sich wiederum in zwei Äste, den dorsalen Vagusnerv und den ventralen Vagusnerv, auf.
Der dorsale Vagusnerv ist mit ca. 500 Millionen Jahren der älteste Teil unseres Nervensystems, wurde also noch vor dem Sympathikus gebildet. Seine Funktion ist eine Art „Shutdown“, eine Erstarrung, wenn die Gefahr so groß ist, dass man weder kämpfen noch weglaufen kann. Heute erleben wir diesen Zustand einerseits akut bei wirklich schlimmen, traumatischen Erfahrungen, andererseits aber auch als Nachwirkung von extrem bedrohlich empfundenen Situationen oder langanhaltendem Stress. Eine tiefe Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Ratlosigkeit, Erstarrung und Gedankenkreisen sind unter anderem die Auswirkungen. Vor allem auch, wenn wir innerlich in einer Trauma-Schleife feststecken.
Der ventrale Vagusnerv
